Das Thermometer zeigt minus zwölf Grad an. Wir sind frohen Mutes, dass es kälter kaum noch werden kann. Und irren uns mächtig. Doch der Ausflug zur Vilstalsäge bei Pfronten beginnt vielversprechend: mit Sonne am Flussufer, dem Kurpark im Winterschlaf und knackendem Eis.
Die Vils müht sich, vor der Kälte nicht zu kapitulieren und mit kleinen Wellen das Eis zu brechen. Gibt nur auf, wo der Kampf längst verloren, das Gefälle zu groß ist. Am Ortsrand will es der Zufall, dass wir auf der Suche nach Wegweisern auf ein gefrorenes Mühlrad aufmerksam werden, durch dessen Eis das Sonnenlicht funkelt. Das urige Holzgebilde ist Teil eines Mühlen-Museums. Hinter den letzten Häusern begrüßt uns das einsame Vilstal mit frostigem Atem. An einigen Stellen ist der Fluss komplett gefroren, Wasserwerke gleichen Eispalästen voll Tuffs und Zapfen. Die Vils erschafft ein faszinierendes Winterreich. Wenngleich wir zeitweise den Schal ums Gesicht schlingen müssen, um dem eisigen Wind zu trotzen, während der Kienberg unbarmherzig jegliches Sonnenlicht mit seinem Rücken abschirmt. Nahe der Schochersäge treffen wir nach einer Stunde erstmals auf Leben: Eine Wasseramsel taucht todesmutig zwischen kleinen Eisschollen nach Nahrung. Was uns bibbernd vor Augen führt, dass Mutter Natur immer noch die beste Bekleidung für Väterchen Frost bereithält.

Parken: Bahnhof Pfronten-Ried (kostenlos)
Dauer: 2,5 bis 3 Stunden
Strecke: 10 Kilometer
Ausrüstung: Mütze, Handschuhe, Schal dringend empfohlen, warmes Getränk

Fotos: Isabelle Gassama