Vor allem Familien machen gerne Urlaub im Allgäu. Weshalb? Weil es Berge wie den Imberg gibt – für Kinder ein Winterparadies. Rodeln, Schneeschuhwandern, Tierspuren suchen, Skifahren, Kutschentour: Der Freizeitspaß scheint grenzenlos.

Als Vater erlebt man es selten, dass die Sprösslinge voller Elan zu Fuß den Berg stürmen. Aber sie nehmen den Winterwanderweg, der sich in Serpentinen auf den Imberg schlängelt, gerne in Kauf. Denn oben wartet aus ihrer Sicht eine Art Wundermaschine. Auf dem Plateau, das nach einer knapp einstündigen Wanderung erreicht ist, steht nämlich ein Schlepplift nur für Schlittenfahrer. Dort erklärt die ältere Tochter: „Ab hier laufen wir keinen Meter mehr.“

Vor dem Vergnügen die Anstrengung: Durch den Schnee bergauf. Foto: Christian Schreiber

Zuerst muss man aber Trockenübungen machen, denn es braucht ein wenig Geschick, den Bügel am Schlitten zu befestigen. Wer es schafft, zuckelt gemütlich sitzend nach oben. Die Abfahrt auf dem extra von Pistenraupen gespurten Hang ist dafür umso rasanter. Sie ist hammerschnell. Grundlagen der Rodel-Bremstechnik sollten auf jeden Fall vorhanden sein: weit hinten sitzen und im Falle von Über-Geschwindigkeit mit den Händen vorne die Hörner in die Höhe ziehen. Dann fräsen sich die Schlittenenden in den Schnee und verlangsamen die Fahrt. Bei Doppelsitzern ist das nicht ganz einfach, denn man muss seine Töchter mit in die Höhe stemmen.

So stellt sich mit der Zeit aus Erwachsenen-Sicht die Frage, ob es unterm Strich nicht doch kraftsparender ist, einen flacheren Rodelhang x-mal hoch zu laufen. Eine Vorstellung, mit der sich die Kinder hier natürlich überhaupt nicht anfreunden können. In ihren Augen gibt es zu diesem Rodelvergnügen nur eine Alternative: die Schlittenpiste ins Tal. Das sind nicht nur 20 Sekunden Geschwindigkeits-Rausch, sondern fünf Minuten Fahrvergnügen.

Spaß am Gipfelkreuz. Foto: Christian Schreiber

Auch ist viel mehr technisches Geschick nötig, denn irgendwie muss der Rodler das Kufengefährt durch Kurven und Schikanen lenken. Das wiederum hat oft lustige Verrenkungen zufolge. Väter umklammern mit einem Arm ihr Kind, während sie mit der Hand des anderen Arms hinter dem Schlitten wild den Schneeboden durchpflügt, um Richtungsänderungen herbeizuführen. Weniger anstrengend ist definitiv die Beintechnik, bei der man je nach Kurve abwechselnd die Füße in den Boden stemmt. Wenn dann schon die Talstation zu sehen und man der Meinung ist, alle Schwierigkeiten gemeistert zu haben, kommt ein hartes Finale.

In Skifahrersprache würde man sagen, die Piste wechselt urplötzlich von blau auf schwarz. Es ist so steil, dass nur die Aufsteh-Bremstechnik hilft, bei der man den Schlitten soweit vom Boden hochzieht, dass schon fast die Knie durchgedrückt sind. Von den Kindern ist dabei wenig Hilfe zu erwarten, sie sind vollauf mit Kreischen beschäftigt…

Text: Christian Schreiber

Die gesamte Reportage können Sie in der Print-Ausgabe Winter 2019 lesen.