Vor 55 Jahren sterben auf der Zugspitze sieben Menschen bei einem Lawinen­abgang, 21 werden verletzt. Grund genug, in Bayern einen Warndienst zu gründen. Davon profitieren heute zahlreiche Wintersportler – gerade im Allgäu. Ein Lawinenexperte erzählt spannende Geschichten.

Es schneit. Endlich. Die ersten Flocken in diesem Winter rieseln bis in die Täler. Kleine, filigrane Schneeflocken tanzen vom Himmel. Jede ist anders, ein Unikat. Bald wird das Weiß die Landschaft einhüllen und verzaubern. Nicht nur die Kinder freuen sich auf den Winter. Kaum zu glauben, dass aus solch kleinen, federleichten Eiskristallen eine wuchtige Gefahr werden kann: Lawinen. Doch sie sind Teil des winterlichen Hochgebirges. Und für alle, die heute Schneesport betreiben, gehört der aktuelle Lawinenlagebericht wie selbstverständlich zu ihrem Hobby.

Das war nicht immer so. Die Katastrophe ereignete sich am 15. Mai 1965. Viele Wintersportler tummelten sich an diesem Tag auf dem Zugspitzplatt beim Frühlingsskilauf, andere sonnten sich vor dem Hotel Schneefernerhaus. Plötzlich löste sich oberhalb des Hotels ein riesiges Schneebrett. Die Lawine raste über die Terrasse des Hotels und fegte alles hinweg. Dort kamen zehn Menschen ums Leben, 21 wurden zum Teil schwer verletzt. Das Unglück war der Auslöser, einen Lawinenwarndienst in Bayern aufzubauen. 1967 ging er in Betrieb. Seither gibt er vom Beginn der Wintersaison im Dezember bis etwa Mitte Mai jeden Tag um sieben Uhr einen Lawinenlagebericht heraus. Nicht nur für Wintersportler abseits gesicherter Pisten, sondern auch für Liftbetreiber, Verantwortliche in Gemeinden und bei Sicherheitsbehörden gilt dieses Bulletin als tägliche Pflichtlektüre.

Basisdaten für die Lagebeurteilung liefern unter anderem 20 automatische Messstationen. Eine davon ist auf dem Koblat im Nebelhorngebiet bei Oberstdorf. Die Station übermittelt ständig Daten von Lufttemperatur, Niederschlag und Schneehöhe sowie der Intensität der Sonneneinstrahlung. An jenem Tag, als unser Reporter ihn besucht, ist Henry Schmölz vom Lawinenwarndienst am Nebelhorn. Zusammen mit einem anderen Mitarbeiter montiert er einen neuen Windmesser. Die Stationen müssten ständig gewartet werden, erklärt Schmölz. Denn sie sind extremen klimatischen Bedingungen ausgesetzt, allen voran starkem Wind und großen Temperaturschwankungen.

Die automatisierten Messstationen reichen vom Jenner bei Berchtesgaden bis zum Hochgrat im Allgäu. Darüber hinaus braucht es eine Vielzahl weiterer Daten. Diese werden täglich von Ehrenamtlichen geliefert – von Bergführern, Skilehrern, Hüttenwirten oder Mitarbeitern der Seilbahnen.
Einer von ihnen ist Thomas Hafenmair aus dem Ostallgäuer Roßhaupten, mit dem wir uns an der Tegelbergbahn nahe Schwangau (Ostallgäu) verabredet haben. Der 51-Jährige ist Lehrer, Bergführer und Bergretter und seit 18 Jahren als ehrenamtlicher Beobachter für den Lawinenwarndienst im Einsatz. Mit seiner Erfahrung und seinem Gespür für Schnee soll er die Lawinengefahr beurteilen und den Schneedeckenaufbau analysieren.

Die gesamte Geschichte können Sie in der Printausgabe Winter 2020/21 lesen.

Text & Fotos: Michael Munkler