Rache ist süß ähhh knackig 

Das muss ich Ihnen erzählen: Bei einer meiner Nachbarn hängt schon vor der besinnlichen Adventszeit der Haussegen schief – wegen eines kleinen Dings von nur 17 Zentimetern Länge in zusammen geklapptem Zustand. Also keine falschen Fantasien: Sie besitzen noch einen jener uralten Nussknacker, die lediglich aus zwei silbernen Stangen bestehen. An einem Ende sind sie zusammengeschraubt. Die anderen beiden Seiten muss man kräftig gegeneinanderdrücken, dann knackt man die Nuss – oder sie zersplittert in tausend Teile.
Das Blöde daran: Diese zersplitterten Teile liegen danach auf dem Fußboden und unter der Couch. Oder auf derselben, sehr gerne auch in jenen Ritzen, wo Rückenlehne und Sitzfläche zusammenstoßen. Nur wenige Nussteile rettet man nach dem lauten „Krrrrr“ zum anschließenden Verzehr in den Handflächen.
Mein Nachbar allerdings erzählte mir, er habe zuletzt eine sehr gute Ausbeute gehabt. Doch sofort habe sich der Rest seiner Familie darauf gestürzt und aß ihm aus der Hand. Solch einen Tag sollte sich übrigens jeder Vater rot anstreichen im Kalender. Allerdings: Beide, Tochter und Frau, mussten am nächsten Tag zum Zahnarzt und neue Plomben einsetzen lassen.
Sein Einwand, dass man sich bei solch einem alten Ding von Nussknacker eben nie total sicher sein könne, ob nicht nach dem Knacken ein winziges Stückchen Schale zwischen die Nussteile gekommen ist, konterte seine Ehefrau mit einem einzigen Wort: „Das gibt Rache, mein Lieber!“
Irgendwie befällt meinen Nachbarn nun die Angst vor den nächsten Erzeugnissen ihrer, zugeben, sehr beeindruckenden Backkunst: Ihr Kirschkuchen ist wirklich vorzüglich. Wenn auch wirklich alle Kirschen entkernt sind…