Dreistufenpaarplan

Zeiten ändern sich, behauptet unser Kolumnist Freddy Schissler. Vor allem im ehelichen Zusammenleben. Er spricht hier vom Dreistufenpaarplan. Wenn Sie von dem noch nie gehört haben, ist das kein Grund zur Sorge. Der Dreistufenpaarplan ist eine Erfindung seiner Frau und ihm und funktioniert so:

Meine Frau und ich kennen uns seit über 30 Jahren, und in dieser Zeit haben wir uns nicht nur äußerlich verändert. Auch die Freizeitgestaltung wurde flexibler. Hier soll es speziell um den Sonntag gehen. Bei Stufe 1 des Dreistufenpaarplans war das so: gemeinsames Frühstück im Bett; meine Frau durfte die Oberseite des Brötchens genießen; ich bin aufgestanden, als das letzte Lied der ersten LP-Seite verklungen war, um die Vinylscheibe umzudrehen. Ein Frühstück damals konnte stufenlos ins Abendessen übergehen.
Nach dem (verflixten) 7. Ehepaar folgte Dreistufenpaarplan Stufe 2. Ein Frühstück im Bett kam alleine aus bröseltechnischen Gründen nicht mehr in Frage. Zudem ist es viel gesünder, im Sitzen zu essen. Na ja, und vor dem Vergnügen musste die Anstrengung sein in Form einer ausgedehnten Joggingrunde.
Wir befinden uns inzwischen auf Stufe 3 des Dreistufenpaarplans. Noch vor dem Frühstück werden mir Arbeiten zugewiesen, die am Abend erledigt sein sollten: Lampe im Schlafzimmer aufhängen, neues Bücherregal im Arbeitszimmer an die Wand bohren, Urlaub für nächstes Jahr online buchen. Also, die Oberseite des Brötchens gebe ich schon lange nicht mehr her. Und Gott sei Dank gibt es CDs, die man nicht mehr umdrehen muss.
Heute denke ich gerne an den Beginn unseres Dreistufenpaarplans zurück. Na ja, vielleicht wird’s ja wieder wie früher. Ich habe eine Hoffnung, die heißt Israel. Dort haben wir zuletzt unseren Urlaub verbracht. Dort gibt es den Schabbat, den freien Tag der Juden. Er fällt zwar bei ihnen auf einen Samstag, aber egal. Viele orthodoxen Juden hegen und pflegen ihren Schabbat. In unserem Hotel beispielsweise, in dem wir untergebracht waren, funktionierte der Fahrstuhl anders als sonst. Er hielt in jedem Stockwerk an, was uns einiges an Zeit kostete, um ins Zimmer im 12. Stock zu gelangen. Natürlich wunderten wir uns, und erhielten diese Erklärung: Der orthodoxe Jude darf kaum etwas machen an diesem Tag, zum Beispiel keinen elektrischen Strom betätigen. Weshalb der Fahrstuhl so programmiert ist, dass er in jedem Stockwerk hält.
Warum nur wird eine so intensive Entspannung mir am Tag des Herrn verwehrt? Ich werde mit meiner Frau ein ernstes Wort reden müssen über eine Sonderstufe des Dreistufenpaarplans. Wobei wir es andererseits auch nicht übertreiben müssen. Auf den ARD-Tatort am Sonntagabend möchte ich nicht verzichten. Und stromlos funktioniert unser Fernseher (noch) nicht.